Waldzither - Literarische Quellen im 19. Jahrhundert
Andreas Michel
Ludwig Bechstein 1847 Schriftliche Nachweise des Instrumentennamens "Waldzither" finden sich zunächst in der literarischen Romantik sowie in der Heimatdichtung des 19. Jahrhunderts. "Wald" als ein Topos der deutschen Romantik erfährt hier eine willkommene Reflexion in der Bezeichnung eines Musikinstruments.  In Thüringen war es vor allem der herzogliche Kabinettsbibliothekar Ludwig Bechstein (1801-1860), der in seinen Erzählungen mehrfach das Musizieren mit der "Waldzither" beschreibt. Bechstein gründete, nachdem er in Leipzig Geschichte, Philosophie und Literatur studierte, 1832 in Meiningen den Hennebergischen Altertumsforschenden Verein. Er sammelte über Jahrzehnte auch Musikinstrumente und erlernte das Spielen auf der "Zither". Ein Porträt Bechsteins aus dem Jahre 1847 zeigt ihn in seinem Arbeitszimmer, zu dessen Ausstattung auch eine – auf dem Bild nicht näher zu identifizierende – Zister gehört (Goltz 2009).
Ludwig Bechstein (1801-1860)in seinem Arbeitszimmer mit einer Thüringer Zister (Waldzither), Lithographie von Heinrich Bucker nach Samuel Diez, 1847, Meininger Museen, Inv.-Nr. V 1500
 
Datierung   Quellen und Nachweise
1850 Rheinisches Taschenbuch 1850 Ludwig Bechstein (1801-1860): Der Heerwurm und die Wildschützen. Thüringerwaldgeschichte. In: Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1850. Frankfurt a.M., S. 275-397
"Ei da vernehmen wir ja die Klänge ächt thüringischer Art; wir hören den Saitenschall der Waldzither, der Bergleute Liebling." (S. 332f.)
1853   Ludwig Bechstein (1801-1860): Hainsterne. Wald- und Wander-Geschichten, 2. Band, Halle 1853, S. 69: "Ei da vernehmen wir ja die Klänge ächt thüringischer Art; wir hören den Saitenschall der Waldzither, der Bergleute Liebling."
1860   Ludwig Anzengruber (1839-1889): Das ausgekaufte Dorf. In: Ingolstädter Wochenblatt, Nr. 41 vom 7.10.1860, S. 354: "Denn wenn die Leute auch brav schaffen – und das ist wahr, das thun sie von früh bis in die späte Nacht – freudig sind sie doch nicht bei der Arbeit; keinen Sang habe ich noch gehört und eine Waldzither, du lieber Gott! die hat noch keins von ihnen zu Gesicht bekommen."
1862   Wilhelm Genast (1822-1887): Das hohe Haus, Roman, 1. Theil, Leipzig 1862, S. 80: "Tanzmusik von einer Waldzither und Klarinette"
1867   Wilhelm Genast (1822-1887): Der Köhlergraf, Roman, 1. Band, Leipzig 1867; S. 168: "Die zarten Klänge einer Waldzither, die aus der Gesindestube gedämpft herüber drangen, gaben eine liebliche Begleitung ab."; S. 169: "Die Waldzither erklang von neuem in ein paar einfachen Accorden und eine tiefe wohllautende Männerstimme hob dazu mit dem Volksliede an: In einem tiefen Grunde / Da geht ein Mühlenrad, / Mein Liebchen ist verschwunden / Das dort gewohnet hat."
 
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