Gitarre: Historische Textquellen (deutschsprachig) bis 1800
 
Datierung Terminus Quelle / Kommentar
1560 Viola Alla Neapolitana Verzaichnuß Rayd. Fuggers Instrument und Musica (Inventar der Instrumentensammlung Fugger, Augsburg); 2. Abtl., Aufzählung von über 140 Lauteninstrumenten; darunter Viola Alla Neapolitana

Lit.: Schaal 1964, 212ff.; Päffgen 1988, 63
1580 Quintern Tobias Stimmer: Die Neun Musen, Holzschnittfolge, "Quinternspielerin" (S. 3?)
"Ein jder bei ihm selbs eracht
Das die Quintern sei nach gemacht
Der Geigen / wie sich das befind /
Wer jren vrsprung recht nach grünt /
Und nur das Instrument besicht:
Ward erstlich nur dahin gericht /
Auff das sie ein anleitung sey
Zur Lauten / und zu allerley /
Auch das man Lider darzu dicht /
Und sing darein ein alt geschicht:
Gleich wie auch thaten unsere Alten
Drum wöllen wir sie noch erhalten."
1615 Kitarre Aegidius Albertinus: Kitarre

Nach Sachs (1930, 232) frühester Beleg des Namens in Deutschland
1616   Georg Henisch: Teütsche Sprach und Weißheit, Nürnberg 1616, Sp. 606: "Cither / ein halbe laut / harpff / cithara, lyrae genus, kompt her von dem Griechischen ...... , oder Lateinischen sistrum, instrumentum Musicum, quod continua commotione pulsum edit cantum siue tinnitum, Cithara incitat ad bellum. Er 786."; Sp. 1774: "Guiterne / gitterne / cithara, testudo minor, fidicula minor."
1619 Quinterna Chiterna Michael Praetorius: Syntagma musicum, Band II, De Organographia, Wolfenbüttel 1619, 52f.: "Das XXVI. Capitel. QUINTERNA. Quinterna oder Chiterna, ist ein Instrument mit vier Choren / welche gleich wie die allerelteste erste Lauten (deren Num. 24. gedacht worden) gestimpt werden: Hat aber keinen runden Bauch / sondern ist fast wie ein Bandoer gantz glatt / kaum zween oder drey Finger hoch. Deren Abriß in Sciagraph. Col. XVI. zu finden.

Etliche haben 5. Chorsäitten / unnd brauchens in Italia die Ziarlatini und Salt' in banco (das sind beyn uns fast wie die Comoedianten unnd Possenreisser) nur zum schrumpen; Darein sie Villanellen und andere närrische Lumpenlieder singen.

Es können aber nichts desto weniger auch andere feine anmuthige Cantiunculae, und liebliche Lieder von eim guten Senger und Musico Vocali darein musicirt werden."
1621 gitarre Joh. Angelius: "gitarre"

Lit.: Sachs 1930, 232
1644 quitarre
guitarre
Nathan Duez: Nova nomenclatura quatuor linguarum, Amsterdam 1644, 717: "Zitter oder Citter, f., un cistre, une quitarre, ou guitarre, cithara".

Lit.: Grimm 1956, XV, 1661
1689 Guitarre
Chitarra
Jacob Kremberg: Musicalische / Gemueths-Ergoetzung / oder / Arien, / Samt deren unterlegten hochdeutschen Gedichten / ... welche also eingerichtet, daß sie / entweder / mit einer Stimme allein zu singen benebenst dem Generral Baß / oder aber / zugleich und besonders auf der Lauthe, Angelique, Viola di Gamba, / und Chitarra, / können gespielet werden. / Alle nach der neuesten Italienisch und Frantzösischen Manier. / Dresden. / In Verlegung des Authoris [...] 1689; Vorrede: "An statt der Guitarre kan man auch ein Hamburger Citringen / so mit fünff Chören ist / gebrauchen / welche ich in Niederland an vielen Orthen gefunden habe / darauff man denn alle Sachen eben so gut als auf der Guitarre / mit den Fingern tractiren kan."

Lit.: Kinsky 1912, 116 und 202; Kinsky 1929, 171
1712 Cythara

(Zister?)
Gotha, "Ausgaben vor die Hoff-Capelle", 3.10.1712, 363 Thlr. 3 Gr. für 1 Violine, 1 Viola da Gamba, 2 Brettgeigen, 1 Arciliuto und 1 "Cythara"; Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Friedensteinsche Kammerrechnungen, Beleg 1712/13, Beleg Nr. 2825

Lit.: Ahrens 2009, 44f.
1713 Guitarre Johann Mattheson: Das Neu-Eröffnete Orchestre, Hamburg 1713, 279: "die platten Guitarren aber mit ihrem Strump Strump den Spaniern gerne beym Knoblauch Schmauß überlassen / (so lange nur ein gewisser Liebhaber und grosser Maitre, der auch wol aus einem Bret ein charmantes Instrument machen möchte / bey uns bleibet"

Anm.: Mit dem "grossen Maitre" in Hamburg meint Mattheson wohl Joachim Tielke
1718 Kitharre Johann Arnold Vockerodt: Gründlicher Musikalischer Unter-Richt, Teil III, Bielefeld 1718, S. 6: "§3. Die Kitharre hat 10. saiten in 5. choren / wird ordentlich so gestimmet g', d, a, f, c, oder d', a , e, c, G, sonsten wird sie auch auf vielerlei weise veraccordirt.
1720 Guitar

[= Zister]
Johann Christoph Weigel: Musicalisches Theatrum, Nürnberg, etwa 1715/1725, "Guitar-Spieler / Ich find offt schönes Gold in finstern Bauch der Erden / wie kommt es dann, daß ich nichts in den Sack erschnapp: / drum mus ich armer Tropff ein Music-Zwitter werden / sonst knappt es hint und forn bey mir: O armer Knapp / legt einen Dreyer ein! So krieg ich was zu trincken / ich will gar gern in Faß (den sichern Schacht) versincken."

Faksimile-Nachdruck Kassel 1961, hrsg. von A. Berner, Bl. 35
1732 Chitarra
Guitarre
Guiterre
Cithara Hispanica
Joseph Friedrich Bernhard Caspar Majer: Museum musicum, Schwäbisch Hall 1732, S. 89: "Chitarra, Guitarre, Guiterre, oder Cithara Hispanica. Ist ein mit 5. doppelten Darm-Saiten-Chören bezogenes / plattes Lautenmäßiges Instrument, welches sonderlich vom Spanischen Frauenzimmer gebrauchet wird. Es kam solches aus Spanien nach Italien / von dar aber in andere Länder: Es ist aber dieses Instrument mit der erst angeführten Cithara nicht zu confundiren. Ehemals soll es nur 4. Chor gehabt haben; jetzo aber bestehet es aus 5. doppelten in unisono beweilen Accord-mäßig gestimmeten Darm- meistens aber meßingen Saiten."

Vgl. 2. Auflage Nürnberg 1741
1732 Chitarra
Guitarre
Guiterre
Cithara Hispanica
Chitarrino
Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothec, Leipzig 1732; S. 159: "Chitarra (ital.) Guitarre, Guiterre (gall.) Cithara Hispanica (lat.) ...... und ...... (gr.) ein mit 5 doppelten Darm=Saiten=Chören bezogenes plattes Lauten=mäßiges Instrument, welches sonderlich vom Spanischen Frauenzimmer gebraucht wird, (daher auch das Wort Spagnuola offt dabey stehet) aus Spanien und Italien, und von da in andere Länder gekommen; Es ist aber dieses Instrument mit der unterm Articul: Chelys angeführten Cithara nicht zu confundiren. Die Abbildung ist in Bonanni Gabinetto Armonico, p. 97 und in Mersenni Harmonic. Instrumentor. lib. I. Prop. 21. zu sehen. Hierselbst wird noch gemeldet: daß es ehemahls nur 4 chöricht gewesen; jetzo aber aus 5 doppelten in unisono gestimmten Saiten bestehe, doch habe die eine zum öfftern auch nur eine Saite.

Chitarrino (ital.) ein dergleichen manchmahl mit vier, bisweilen aber mit sechs Saiten bezogenes kleines Instrument, dessen sich die Neapolitanischen Boots=Leute gemeiniglich zu bedienen pflegen. Die Abbildung ist gleichfalls beym Bonanni, p. 100 befindlich."
1733 Chitarra
Guitarre
Guiterre
Johann Heinrich Zedler: Universal-Lexicon, 5. Band, Leipzig und Halle 1733; Sp. 2156; Art. Chitarra nach Walther 1732
1737 Guitarre David Kellner: Treulicher Unterricht im General-Baß, 2. Aufl. Hamburg 1737, S. 1: Der Generalbaß "aber wird gespielet auf viel- oder vielstimmigen Instrumenten, als da sind Clavir, Laute, Theorbe, Calichon, Panbor, auch Viola di Gamba; ja man tractiret ihn gar auf der Guitarre, so gut sichs thun läßt."
1737 Quinterna Chiterna Ernst Gottlieb Baron: Historisch=Theoretisch und Practische / Untersuchung / des / Instruments / der Lauten, / Mit Fleiß aufgesetzt und allen / rechtschaffenen Liebhabern zum / Vergnügen heraus ge= / geben. / Nürnberg // bey Johann Friederich Rüdiger. / 1727.

S. 87: "Was nun derer Frantzosen ihre Art überhaupt anlanget, so brechen sie so starck mit gar zuoffter Verwechslung der Stimmen, daß man wohl gar die Melodie nicht kennt, und ist wenig wie schon gedacht cantabile zu finden; zumahlen auch bey ihnen auf der Lauten vor eine grosse Zierde gehalten wird, die Accorte nach der Art der Cithar mit der rechten Hand zurück zu streiffen, und ein beständiges Hüpffen bey ihnen Geist und Leben geben muß."

S. 130: "Was aber die andern, und wegen ihrer Unvollkommenheit fast nicht mehr bräuchlichen Instrumenta, e. g. die Quinterna oder Chiterna, Pandurina oder Mandürchen, Benorcon, Orpheoron, Citharra etc. anlanget, so hat Kircherus recht, wenn er schreibt: (b) daß es einem vernünfftigen Musico unanständig sich damit einzulassen, weil er was nützlichers und Lobenswürdigers in der Music vornehmen kan."

Lit.: Radke 1963, 48
1741 Chitarre
Guitarre
Johann Hübner: Curieuses und Reales Natur-Kunst-Berg-Gewerck- und Handlung Lexicon, Leipzig 1741

Sp. 490: "Cither, Cithara, ein musikalisches Instrument. Derer giebt es unterschiedliche Arten: Die gemeinen, von 4 Chören Saiten, worauf die Berg- und andere gemeine Leute mit Federkielen scharren; 2) eine von 5 Chören; 3) eine von 6 Chören; 4) die große sechschörichte Cither, da das Corpus noch eins so groß, und um eine Quarte tiefer geht; in allem fast 2 Ellen lang; 5 die größte ist von 12 Chören Saiten, lautet als ein Clavicymbal."

Sp. 491: "Cithrinchen, hat die Gestalt einer Cither, der Boden aber ist unten halb offen, und kan durch das Zittern mit dem Arm dessen, der mit dem Federkiel auf den 4 Chören meßingenen oder stählernen Saiten spielet, der Laut auch zitternd gemacht werden."

Sp. 2335: "Zitter, Cithara, Guitarre, ein Kling-Spiel, in Gestalt einer Laute, aber mit einem platten Bauch. Die kleinen werden Zitrinchen genannt. S. Chitarre, it. Citter."
1742 Guitarre
Guiterre
Cithara Hispanica
Guitarre, Guiterre, gall. Cithara Hispanica, lat. und ......, gr. ist dasjenige Instrument, wovon in dem Appendice Meldung geschiehet, welches aber in der ersten Edition aus gewiesen Ursachen nicht beygesetzet worden, nunmehro aber, weilen es so viele Liebhaber findet, auch hier eingeschaltet wird, wobey jedoch in specie zu observiren ist, daß dieses Instrument meistens aus 6. Chören bestehet, die 2. unterste davon sind von Silber gesponnene, die drei mittleren meßinge- und zwar jede gedoppelt in unisono gestimmt, die reineste und zarteste aber ist bißweilen stählen, oder eine Lautenmäßige Darm Saite; der Accord darauf ist unterschiedlich, und hat fast gleiche Bewandnuß mit der Viola d'amour".

S. 93: "Rechter Hand aber werden alle Stücke mit dem Zeig- und Mittel-Finger gegen dem Stern hingeschlagen, und auch die mordanten damit gemachet."
1748 Guitarre

[= Zister]
Johann Theodor Jablonski: Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften, neue, um die Helfte vermehrte, und durchgehends verbesserte Auflage, Königsberg und Leipzig 1748, 1443: "Zitter, Cithara, Guitarre, ein Klingspiel, in gestalt einer laute, aber mit einem platten bauch, Es ist sehr alt und hat anfänglich nur 4 saiten gehabt, jetzt aber sind sie bis auf achte vermehret worden. Bey uns ist noch eine kleine Art derselben im gebrauch, so man zitrinchen nennet, und mit vier meßingenen stimmen, davon die oberste einfach, die übrigen doppelt bezogen sind, versehen ist."
1749 Guitarre

[= Zister]
Johann Heinrich Zedler: Universal-Lexicon, 62. Band, Leipzig und Halle 1749, 1812: "Zitter, lat. Cithara, Franz. Guitarre, ist ein Klingspiel, in Gestalt einer Laute, aber mit einem glatten Bauche. Es ist sehr alt, und hat anfänglich nur vir Saiten gehabt, jetzt aber sind sie bis auf achte vermehret worden. Bey uns ist noch eine kleine Art derselben im Gebrauche, so man Zitrinchen nennet, und mit vier meßingenen Stimmen, davon die oberste einfach, die übrigen doppelt bezogen sind, versehen ist."
1750 Guitarre
Chitarra
Quinterna
Kitarre

[= Zister]
Noel Chomel: Ökonomisch- und Physikalisches Lexicon, Leipzig 1750ff.

Bd. VIII, Sp. 2462: "Zitter, oder Cither, Lat. Cithara, Franz. Guitarre, ist ein musikalisches Instrument. Derer giebt es unterschiedliche Arten: 1) die gemeinen von vier Chören Sayten, worauf die Berg- und andere gemeine Leute mit Feder-Kielen scharren; 2) eine von fünf Chören; 3) eine von sechs Chören; 4) die grosse Sechs-Chörichte Cither, da das Corpus noch eins so groß, und um eine Quarte tiefer geht, und in allem fast zwey Ellen lang ist; 5) die grösseste ist von zwölf Chören Sayten, lautet als ein Clavi-Cymbel. Hiernächst hat man auch 6) kleine Citheringen oder Zithringen, mit vier Chören, unten offen, daß man den Thon tremulirend machen kan, welches mit drätenen Saiten bezogen, und von dem Frauenzimmer mit einer spitzgeschnittenen Federkiele gerissen und gespielet werden. Man hat auch ein Instrument, welches einen länglichten und runden Bauch oder aber wie eine Geige hat, und im ersten Fall wie eine kleine Laute aussiehet, sonst aber mit Darm-Sayten in vier Chören und einer eintzigen besponnenen Sayte bezogen ist. Dieses nennen einige auch eine Zitter. Es ist aber eigentlich nichts anders; als die Italienische oder Spanische Chitarre, oder Quinterna. Alle diese Instrumente sind Waaren der Instrument- und Geigenmacher. Siehe diesen Artickel, wie auch Chitarra, und Cistre."

Bd. II, Sp. 1136: "Cistre, also nennen die Frantzosen eine Italienische Kitarre oder Zitter, welche also beschrieben wird: Die Cistre ist ein besaitetes und in Italien sehr gebräuchliches Instrument, welches einer Laute fast ähnlich ist; nur das es einen längeren und in 18 Griffe abgetheilten Hals nebst vier Reihen Saiten hat, deren jede aus dreyen in unisono gestimmten bestehet, aus genommen die zweyte Reihe, als welche deren nur 2 hat. Die Saiten sind von Meßing, und werden mit einem Feder-Kiele tractiret. Es giebt auch Cistres von 9 Reihen Saiten."
1756 Spanische Cithare Leipziger Zeitungen v. 19. Mai 1756: In einer Verkaufsanzeige nennt der Organist Hille neben anderen diversen Musikinstrumenten eine "Spanische Cithare" (Ahrens 1999, 29)
1760 Chitarra Johann Christoph Gottsched: Handlexicon oder Kurzgefaßtes Wörterbuch der schönen Wissenschaften und freyen Künste. Leipzig 1760, Sp. 381
1766 Guitarre Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen die Musik betreffend, Leipzig, 29. Juli 1766, S. 39f.: "Am 27 Julius ließ sich Herr Rodrigo Antonio de Menezes, ein Portugiese von Geburt auf der Guitarre, in einem außerordentlichen Concert, im Musiksaales auf dem Apelischen Garten, mit vielem Beyfalle hören. Denen zu gefallen, die dieses Instrument nicht kennen, wollen wir folgendes anmerken: Es ist ein mit fünf Chören von Darmsayten bezogenes Instrument, das im Tone fast der Laute gleicht, in der Gestalt des Körpers aber von derselben abgeht, indem es oben und unten platt, und an den Seiten herum fast so gebogen ist wie eine Violin oder Bratsche, welche letztere es auch an Größe übertrifft. Jedes Chor hat zwey Saiten, außer dem fünften, welches nur einfach ist; die beyden tiefsten Chöre haben die höhere Octave bey sich, die übrigen sind im Einklange. Ueberhaupt ist die Stimmung folgende: Aa dd' gg hh e' oder in Noten: [...] Es wird nach Violinnoten gespielt, aus der Stimmung aber ergiebt sich, daß es eine Octave tiefer stehe, als die Violine. Der Hals ist mit zehn Bunden nach Art der Laute umgeben, die einen halben Ton von einander entfernt sind. In Ansehung des Anschlages wird es mit den Fingern der rechten Hand eben so tractiret wie die Laute. Bonanni hat es im Gabinetti armonico auf der 97 Seite abgebildet, und im waltherschen Lexico muß man es unter Chitarra suchen."

Lit.: Schulz 1922, 44
1773 Guitarre Sprengel, Peter Nathan: Handwerke und Künste in Tabellen, Elfte Sammlung, Berlin 1773, S. 73: "zu den Instrumenten, die man mit den Fingern schlägt, gehöret die Laute nebst ihren Töchtern der Guitarre und Teorbe, die Cither und die Harfe. Allein alle diese letztern Instrumente sind ziemlich aus der Mode gekommen."
1773 guitarre

[= Zister]
Gottlieb Siegmund Corvinus (Pseudonym Amaranthes): Frauenzimmer Lexicon 1715 Verlag Johann Friedrich Gleditschs, 1739 und 1773 erschienen jeweils überarbeitete Neuauflagen.

Frauenzimmer Lexicon (1773) 1, 1235: "guitarre, eine cyther oder zitter, musikalisches instrument"
1786 Guitarre
Chitarra
Johann Georg Lebrecht Wilcke: Musikalisches Handwörterbuch, Weimar 1786, S. 25: "Cistre. F. A. Sisster. U. Die Zither."; S. 59: "Guitarre. F. A. Kitharr, eine Cither. Man schreibts auch guiterre, ital. Chitarra, oder Chitarrone. A. Kitarra, Kitarroneh."
1790 Chitarra
Cither
Johann Georg Albrechtsberger: Gründliche Anweisung zur Composition; mit einem Anhange: Von der Beschaffenheit und Anwendung aller jetzt üblichen musikalischen Instrumente, Leipzig 1790, S. 417: "7) Die Cither (Chitarra) ist dreyerley: die deutsche, die welsche und die spanische. Jede wird anders behandelt. Importa niente."
1797 Guitarre Tonleiter zur Guitarre. In: Journal des Luxus und der Moden XII (1797), S. 24-26
1797 Guitare [sic!] Kitharophilos [August von Sachsen-Gotha]: Ueber Rechtschreibung des Worts Guitare, nebst einem Gedichte darauf. In: Journal des Luxus und der Moden XII (1797), S. 128-134 ["Empfehlung der Guitare, mit einem r und sechs Saiten"]; Kitharophilos [August von Sachsen-Gotha]: Musikalische Beichte. In: Journal des Luxus und der Moden XII (Juni 1797), 309f.
1801 Sister
französische Guitarre
Johann David Scheidler: Etwas über die Sister. In: Allgemeine Musikalische Zeitung, Jg. IV, 21.10.1801, Sp. 60-63
1801 Guitarra Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, 4. Theil, zweyte vermehrte und verbesserte Ausgabe, Leipzig 1801, Sp. 1727: "Die Zither, (sprich Zitter) plur. die -n, ein musikalisches Saiten-Instrument, gemeiniglich mit vier Chören Saiten, welches eigentlich eine unvollkommene Laute ist. Auf der Zither spielen, die Zither spielen. eine Art kleiner Zithern, welche unten offen sind, werden Cithrinchen, oder Zithrinchen genannt.
Anm. Schon im Notker Ziterun, im Ital. Guitarra, im Franz. Guitarre, im Lat. Cithara, im Arab. Kithar. Da das Instrument selbst sehr alt, und morgenländischen Ursprungs ist (S. Psalter), so ist es der Nahme auch, welcher vermuthlich von dem Persischen Ciar, vier, und tar, Saite, abstammet."
1801 Guitarre Johann Christoph Wilhelm Kühnau: Beschreibung aller alten und neuen musikalischen Instrumente. Berlin, im Januar 1801. Berlin, Staatsbibliothek, Musikabteilung, Sign. Mus. ms. autogr. theor. Joh. Chr. Wilh. Kühnau; S. 6: "Citola. Citole. Name eines alten musikalischen Instruments."; S. 7: "Cithar. Zÿthar. Zitter. Zithar. Guitarre, Cithara, ..... (?), Citre, [gr. kithara], [hebräisch]. Ist auch ein musikalisches Saiteninstrument, so jetzt fast ganz außer Gebrauch ist. Das Wort Cistre bedeutet eine Italiänische Zither."
1801 Guitarre
Spanische Zither
Welsche Zither
Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke, 2. Band, Braunschweig 1801, S. 392: "Guitarre (spr. Gitarre), nicht völlig einerlei mit unserer Zither. Die Italiäner (Italier) erhielten dis, mit 8 oder 10 Saiten bezogene Tonwerkzeug von den Spaniers. Eschenburg. Man müßte es also die Spanische oder auch Welsche Zither nennen."

Anm.: Eschenburg = Johann Joachim Eschenburg / Frederick Reinhard Ricklefs: Neues vollständiges Taschenwörterbuch der englischen und deutschen Sprache. / New complete pocket-dictionary of the English and German languages, Bremen 1799
1801 Guitarre Die Guitarre, ein neuer Modeartikel. In: Journal des Luxus und der Moden XVI (1801), S. 623-624
1802 Sister
deutsche Guitarre
Heinrich Christoph Koch: Musikalisches Lexikon, Frankfurt a.M. 1802, Sp. 707f.:

"Guitarre. Ein Saiteninstrument, welches in Ansehung der Behandlung unter die Gattungen der Laute oder Zither gehört, sich aber in Rücksicht auf das Corpus sowohl von der Laute, als auch von der gemeinen Zither sehr merklich auszeichnet. Das Corpus der Guitarre gleicht dem der Bogeninstrumente, hat aber eine flache Resonanzdecke und keine f-Löcher, sondern in der Mitte ein rundes Schalloch. Der Boden ist ebenfalls flach, und die Zarge nach dem Verhältnisse der Größe der Decke und des Bodens höher, als bey den Geigenarten. Die Größe des Corpus hält ohngefähr das Mittel zwischen einer Violine und einem Violoncell. Der Hals der Guitarre ist breit, und auf dem Griffbrete sind die Tongriffe mit sogenannten Bünden bezeichnet, die aber von Elfenbein in das Griffbret eingelegt sind. Oben an dem Halse befindet sich anstatt des Wirbelkastens ein flaches, rückwärts gerichtetes Bretchen, in welchem die Wirbel laufen. Der Steg, welcher breit und stark, aber sehr niedrig ist, wird auf der Resonanzdecke angeleimt. Das Instrument wird mit 6 Saiten bezogen; die vier höhern sind gewöhnliche Darmsaiten, zu den beiden tiefern bedient man sich aber übersponnener Saiten, die aus Schlußseide verfertigt werden. Die Stimmung dieser Saiten ist, G A d g h e';° sie werden, indem die linke Hand die Töne greift, mit den Fingern der rechten Hand, so wie bey der Laute, gerissen, und das Instrument wird an einem Bande hängend, welches über die Schultern gezogen wird, unter dem rechten Arme gehalten. Die Guitarre ist besonders zur harmonischen Begleitung des einstimmigen Gesanges geeignet, und wird am gewöhnlichsten und am häufigsten in Spanien gebraucht. Bey uns hat sie sich seit einiger Zeit zum Lieblingsinstrument der Damen zu erheben gewußt."

"Einige beziehen das Instrument auch nur mit fünf Saiten, die sie in die Töne a d g h d stimmen."

[es folgt ein Abschnitt - etwa 1/3 des Artikels - zur Pianoforteguitarre]

Sp. 1395: "Die moderne Sister, die man auch zuweilen die deutsche Guitarre nennet, und an welcher seit einiger Zeit nicht nur in Frankreich, sondern auch hin und wieder in Deutschland, die Liebhaberey sehr zugenommen zu haben scheint, ist aus der alten deutschen Zither von vier Saiten entstanden, und in Frankreich vervollkommnet worden.

Ton und Spielart, so wie auch das Corpus dieses Instruments haben die größte Aehnlichkeit mit der französischen Guitarre; auch ist es, so wie die Guitarre, bloß zur Begleitung des Gesanges geeignet.

Man bezieht die Sister mit sieben Darmsaiten, von welchen die drey tiefsten übersponnen sind." (es folgt die Erklärung der Stimmung, der Anwendung des Capotasto, der Spielhaltung und der Anschlagsweise nach Scheidler 1801)

Sp. 1763: "Zither, (Cithara) das Lieblingsinstrument der Spanier, ist eines der ältesten Saiteninstrumente, welches schon bey den alten Griechen gebräuchlich war, dessen Form sich aber in den spätern Jahrhunderten merklich verändert hat.

Heut zu tage bestehet das Corpus derselben aus einem flachen Boden und aus einer eben solchen Resonanzdecke mit einem runden Schall-Loche; beyde sind vermittelst einer ohngefähr zwey Zoll hohen Zarge verbunden. An der untern Seite hat es eine runde Figur, die nach dem Hals zu oval wird, und sich mit demselben verbindet. Der Hals ist ohngefähr so lang als das Corpus, und auf dem Griffbrette sind die Bunde oder Griffe von Messing eingelegt. Ehedem bediente man sich dieses Instruments in verschiedener Größe und bald mit mehr, bald mit weniger Drahtsaiten bezogen, die mit einem Federkiel geschnellt werden. Die gebräuchlichste Gattung war die sechschörige Zither, auf welcher die Saiten in die Töne G d h g d' e' gestimmt wurden.

Heut zu tage ist dieses Instrument in Deutschland weder unter den Tonkünstlern, noch unter Dilettanten von feinerm Geschmacke, gebräuchlich, jedoch hat sich eine vervollkommnete Gattung derselben, nemlich die Guitarre, auch unter den feinern Zirkeln erhalten, und scheint seit geraumer Zeit sich zum Lieblingsinstrumente des schönern Geschlechts zu erheben.

Die eigentliche Zither trifft man nur noch hin und wieder unter den niedern Volksklassen, und unter den Bergleuten an, die ihre bergmännischen Lieder damit begleiten."
1803 spanische Guitarre Julius Werden [= Friedrich Mann] und Adolph Werden [= Alexander Mann] (Hrsg.): Musikalisches Taschenbuch auf das Jahr 1803, Penig, bey F. Dienemann und Comp., S. 312: "Von den Deutschen ist die Cither oder Sister und die Laute schon lange gekannt und gespielt worden. Die spanische Guitarre ist durch Frankreich erst spät zu uns gekommen, sie hat den hefftigsten Beyfall erhalten und wird von Herren und Damen mit einer ordentlichen Wuth gelernt. Hat nicht Rinaldo Rinaldini, dem berüchtigten deutschen Roman, jeder Räuber neben seinem Mordschwerdte auch eine Guitarre! Findest Du sie nicht im Zimmer einer jeden nur einigermaßen modernen , angenehmen, sanften, lebhaften, zierlichen, zärtlichen, schwärmenden, tändelnden, scherzenden, niedlichen, ausgelassenen, mithwilligen, oder auch unschuldigen, sittsamen, ehrbaren Frau? Werden nicht täglich neue Lieder, Gesänge, Romanzen, Duetten, Terzetten, Solos, Sonaten, Potpourris, Canzonetten, Contredances Anglaisen, Walzer, Menuetten, Allemandes und Rondos, ja sogar Concerts für die Guitarre geschrieben, gesetzt, somponirt, producirt, arrangirt? - Die Neigung für das herrliche Instrument ist zu loben, wenn sie sich auch bey den Deutschen nicht so romantisch schwärmend äußert, wie bey den südlichen Naturen. Aber als eine große Verkehrtheit ist es zu tadeln, wenn mancher Leyermann und Schergeiger das Werkzeug, welches bestimmt ist, den Gesang der Stimme mit lieblichen, anmuthigen Tönen harmonisch zu begleiten, mißbraucht und mit einer lächerlichen Anstrengung, Kraft und Fertigkeit Melodien, wie Tänze, Sonaten und Concerts und dergleichen, daraus hervorreißen will. Ein solches Bestreben beweist ein gänzliches Mißkennen des Charakters der Guitarre, und ist nur den Franzosen und Deutschen, nicht den gefühlvollen Spaniern und Italiänern eigen."
Anm.: Rezension in: AMZ IV (1802), 116ff.
1807   Koch, Heinrich Christoph: Kurzgefaßtes Handwörterbuch der Musik für praktische Tonkünstler und Dilettanten. Leipzig 1807, S. 178: "6 Saiten, die in die Töne G, A, d, g, h e' gestimmt, und theils mit den Fingern gerissen, theils mit dem Daumen gestrichen werden. Die meisten Guitarrespieler stimmen jedoch die tieffste Saite, wenn sie aus A dur, A moll oder E moll spielen, ins groß E."
Andreas Michel
Gitarren  |  Thüringisch-sächsische Gitarren bis 1850
© STUDIA INSTRUMENTORUM MUSICAE 2007